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60 Jahre NER - Rückblick und Ausblick

Seit März 1951 erarbeitet der österreichische Arzt Dr. med. Josef Rötzer - mit Unterstützung seiner Frau Margareta (gest. 2006) und seit 1975 auch mit Hilfe seiner Tochter Elisabeth Rötzer - neue Erkenntnisse für die praktische Anwendung der Natürlichen Empfängnisregelung.

Hauptarbeitsgebiete:

  • Forschungsarbeiten, Beratungsdienste und Ausbildung von Lehrkräften über Natürliche Empfängnisregelung (NER)
  • Beiträge einer medizinischen Anthropologie

Dr. Rötzer gilt in der wissenschaftlichen Weltliteratur als der Begründer der ersten echten sympto-thermalen Methode. Diese Vorgangsweise wurde 1965 erstmals für Ehepaare in einem Sachbuch [1] und 1968 erstmals in einer medizinischen Fachzeitschrift [2] publiziert. In den Standardwerken der Gynäkologie [3] ist die Urheberschaft dieser Vorgangsweise zu ersehen: "Sympto-thermale Methode nach Rötzer", die in die höchste Zuverlässigkeitsstufe eingereiht wird. Diese sympto-thermale Methode erlaubt eine Auswertung von sicher unfruchtbaren Zeiten im Zyklus der Frau, die auch eine Beratung all jener Ehepaare erlaubt, die eine Schwangerschaft aus ganz besonderen Gründen absolut vermeiden müssen, wenn es beispielsweise um Leben oder Tod der Mutter geht. (Hinweis: Kein Verhütungsmittel kann diese Zuverlässigkeit erreichen!)

Neben der Bedeutung einer guten Zyklusbeobachtung für die Empfängnisregelung kann diese Zyklusbeobachtung sehr wichtig sein für die Erkennung verschiedener Krankheiten, sie dienen als Grundlage einer Diagnose und zielgerichteten Therapie [4]. Leider wird diese Sicht in den Lehrbüchern sehr vernachlässigt (5).

Neben Gastvorlesungen an verschiedenen Universitäten wurden Dr. Rötzer Lehraufträge für Pastoralmedizin an den Universitäten Innsbruck (Österreich) und Regensburg (Deutschland) erteilt. Ein weiterer Lehrauftrag wurde für die philosophisch-theologische Lehranstalt Linz/ Donau (Österreich), sowie eine Dozentur für Pastoralmedizin an der philosophisch-theologischen Lehranstalt der Diözese St. Pölten (Österreich) erteilt.

Es folgte eine Beiziehung bzw. die Übertragung der Leitung von zahlreichen Ausbildungskursen in der Natürlichen Empfängnisregelung auch in Übersee: U.S.A., Neuseeland, Australien, Hongkong, Japan, Taiwan.

Das Buch "Natürliche Empfängnisregelung" [6] ist derzeit in der 42. Auflage im Handel und liegt mittlerweile in 16 Sprachen und in einer Sonderausgabe übersetzt vor. 1999 veröffentlichte Dr. Rötzer ein Lehrbuch für Ärzte und interessierte Ehepaare [7], das 2010 im Mai neu erschienen ist [8].

Wichtigste Grundlage für diese NER-Arbeit - gerade auch für die Zukunft - ist die Zusammenarbeit mit vielen Frauen/Ehepaaren, die schon bisher eine Archivierung von mehr als 300.000 Zyklen von mehr als 8000 Frauen ermöglicht hat.

Zur Förderung der Natürlichen Empfängnisregelung wurde 1986 das Institut für Natürliche Empfängnisregelung Prof. Dr. med. Rötzer (INER) zunächst für den deutschen Sprachraum (Deutschland, Österreich, Schweiz mit Fürstentum Liechtenstein, Südtirol) gegründet, zu dessen Hauptaufgaben die Ausbildung und Fortbildung von Multiplikatoren zählt. Begegnungen mit anderen Ländern haben dazu geführt, dass es auch zur Bildung von INER Italia, INER Polen, INER Paraguay und im Mai 2004 von INER Georgien kam. Im Aufbau begriffen sind INER Kroatien und INER Rumänien. INER-Mitglieder arbeiten in mehr als 20 weiteren Ländern weltweit. Die Wissenschaftlichkeit der Methode garantiert der Begründer der ersten echten sympto-thermalen Methode, Prof. Rötzer, selbst. Und in der Weiterführung des Institutes wird dieses wissenschaftliche Niveau durch den ärztlichen Beirat garantiert.

Der österreichische Bundespräsident würdigte seine wissenschaftliche Forschungsarbeit mit Entschließung vom 18. Dezember 1992, Zl. 610034/133 mit dem Berufstitel Professor.

Anlässlich des 90. Geburtstages von Prof. Dr. med. Josef Rötzer stand der 24. Internationale INER-Kongress 2010 unter dem Generalthema "Zyklusbeobachtung: Die sympto-thermale Methode - mehr als eine Methode der Empfängnisregelung. Symposium zum 90. Geburtstag von Prof. Dr. med. Josef Rötzer". Zu diesem Thema referierten Ärzte, Theologen und Ehepaare über den umfassenden Sinn der Natürlichen Empfängnisregelung. Dieser Kongress fand am 1. und 2. Mai 2010 im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels / Oberösterreich statt. Über 200 Teilnehmer aus 11 Nationen waren der Einladung des Institutes für Natürliche Empfängnisregelung gefolgt und zeigten eindrücklich, dass der Weg der Natürlichen Empfängnisregelung ein Weg für die Zukunft ist.

(Bericht Elisabeth Rötzer)

Literatur

[1] Rötzer, J.: Kinderzahl und Liebesehe. Ein Leitfaden zur Regelung der Empfängnis. Herder, Wien 1965, 9 Auflagen. (Als Fortsetzung dieses Leitfadens erschien 1979 das Buch "Natürliche Geburtenregelung".)
[2] Rötzer, J.: Erweiterte Basaltemperaturmessung und Empfängnisregelung. Arch.Gynäk.206 (1968) 195-214.
[3] z.B. Döring, G.K.: Empfängnisverhütung, Ein Leitfaden für Ärzte und Studenten, 12. Aufl., Thieme Verlag 1990, Seite 24.
E.Raith, P.Frank, G.Freundl, Th.Strowitzki: Natürliche Familienplanung heute. 4., neu bearb. und erw. Auflage, Springer-Verlag 2008, Seite 11
Wulf, K.-H., Schmidt-Matthiesen H.: Klinik der Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Handbuch in 12 Bänden, Band 2, 3.Aufl. 1996, Seite 256, Verlag Urban und Schwarzenberg.
Diedrich, K. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe, Springer, Berlin 2000, Seite 64.

Die sympto-thermale Methode: Kurzinformation für Ärztinnen und Ärzte mit Literatur bei den INER-Kontaktstellen und auch im Download-Bereich
[4] "Die Bedeutung der Zyklusbeobachtung für Gesundheit und Volkswirtschaft" (Erweitert nach einem Vortrag auf einer internationalen Ärztetagung in Sitten, Schweiz, 26.-28. Mai 1994)
[5] "Stiefkind" Zyklusbeobachtung. Als Editorial publiziert in: Zentralblatt für Gynäkologie 2002; Jg.124: 347-349 (Bedauerlicherweise sind dort die Seitenangaben bei der zitierten Literatur weggelassen worden)
[6] Rötzer, J.: Natürliche Empfängnisregelung. Die sympto-thermale Methode - Der partnerschaftliche Weg. Herder, 33. Auflage 2009. Damit sind seit 1965 bereits 42 Auflagen des Leitfadens erschienen. Übersetzungsliste beim Verfasser erhältlich.
[7] Rötzer, J.: Der persönliche Zyklus der Frau. Von der Vorpubertät bis in die Wechseljahre. Herder 1999;
[8] Rötzer, J.: Die Frau und ihr persönlicher Zyklus. Von der Vorpubertät bis in die Wechseljahre. 2. überarb. Auflage Mai 2010, godiz film gmbh ISBN 978-3-9523645-0-5