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„Sensationsmeldungen“ über Mehrfachovulationen
Ab etwa Juli 2003 kam es
wiederholt zu Aufsehen erregenden „Sensationsmeldungen“, dass es im Verlaufe
eines Menstruationszyklus zu mehr als einer Ovulation und noch dazu in
verschiedenen Phasen des Zyklus kommen könne. Es müssten daher die Lehrbücher
umgeschrieben werden und eine Natürliche Empfängnisregelung sei nicht möglich.
Man berief sich auf eine von Angela R. Baerwald und Mitarbeitern publizierte
wissenschaftliche Arbeit einer Universitätsfrauenklinik in Kanada in einer
angesehenen medizinischen Fachzeitschrift: „Fertility and Sterility, Vol.80,
No.1, July 2003, pp.116-122“.
Zu den o.a. angeführten
voreilig gezogenen Schlussfolgerungen sollen für unsere INER-Mitglieder im
nachfolgenden notwendige Klarstellungen gebracht werden.
Es ist seit langem bekannt,
dass jene Gruppe von Follikeln, aus der später der sprungreife Follikel
hervorgehen soll, bereits einige Monate vor der Ovulation im betreffenden
Eierstock nachgewiesen werden kann. Es erfolgt dann ein Wachstum der Follikel
in aufeinander folgenden Wellen. Es ist außerdem seit langem bekannt, dass in
der Gelbkörperphase des der Ovulation vorausgegangenen Zyklus bereits stärker
herangewachsene Follikel zu erkennen sind, von denen jedoch keiner die übliche
Größe eines sprungreifen Follikels erreicht. So weit decken sich die
Beobachtungen der kanadischen Arbeit mit unserem bisherigen Wissen. Die von den
untersuchenden Wissenschaftlern als neu eingestufte Beobachtung, dass im Zyklus
in dem die Ovulation eintritt, das Wachstum der Follikel in zwei oder drei
Wellen erfolgen kann, ist nur eine Bestätigung der von uns seit vielen Jahren
gemachten Beobachtung, dass in langen Zyklen zwei oder mehr Phasen von S
auftreten können, bevor die Ovulation erfolgt. In den Lehrbüchern blieb
dies allerdings unbeachtet.
Die kanadische Arbeit
beschreibt keine beobachtete und tatsächlich erfolgte Ovulation außerhalb der
östrogenbestimmten ovulatorischen Phase, vor allem keine in der Gelbkörperphase
stattgefundene Ovulation.
In der kanadischen Arbeit findet sich nur die spekulative Annahme, dass
eine Ovulation bei in der Gelbkörperphase sich entwickelnden Follikeln erfolgen
könnte, wenn ein kräftiger und steiler LH-Anstieg zur Ruptur eines Follikels
führt. Dazu ist zu bemerken:
1.
Es kann nur
dann zu dem notwendigen LH-Anstieg kommen, wenn ein steil ansteigender und sehr
hoher Östrogenspiegel (Östrogengipfel) einen LH-Anstieg auslöst. Ein derart
hoher Östrogenspiegel ist jedoch in der Gelbkörperphase nie gegeben.
2.
Außerdem kann
der notwendige LH-Anstieg in der Gelbkörperphase nicht erfolgen, da in dieser
Phase das vom Gelbkörper gebildete Progesteron dies nicht zulässt. In der
Praxis ist noch nie in der Gelbkörperphase weder ein derartig kräftiger und
steiler LH-Anstieg noch eine Ovulation beobachtet worden, und es ist dies in
der Weltliteratur noch nie beschrieben worden.
Das Ergebnis der kanadischen Arbeit wurde vor allem von Journalisten
falsch gedeutet und es wurde damit eine irrige Ansicht in die Welt
hinausposaunt. Leider übernahmen sogar medizinische Zeitschriften diese
Agenturmeldung ohne sie kritisch zu hinterfragen.
Insgesamt steht fest, dass die Grundlage der Natürlichen
Empfängnisregelung unangetastet bleibt und unerschütterlich ist:
Außerhalb der bestimmbaren möglicherweise fruchtbaren
Tage gibt es keine Ovulation.
Prof.Dr.med.Josef Rötzer, A-4840
Vöcklabruck 10.01.2004
Anschrift des Autors:
Prof.Dr.med.Josef Rötzer
Vorstadt 6
A-4840 Vöcklabruck
Österreich
Tel. 07672/23364
E-Mail: josef.roetzer@asak.at
Internet: www.iner.org
www.zgow.de/kinderwunsch
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